262 Gesichter für Integration und Toleranz

Veröffentlicht von NicoLange am

Im Zeitraum von September bis Dezember 2016 waren das Thomas-Mann-Gymnasium in Stutensee, das Max-Planck-Gymnasium in Rüppur sowie das Ludwig-Marum-Gymnasium in Pfinztal Teil einer Installation des Kunstprojektes INSIDE OUT. Ziel des Projektes war es, für Integration, Toleranz und eine offene Gesellschaft zu werben.

Das Projekt widmet sich, geprägt durch die seit einigen Jahren anhaltende Diskussion um Flucht und Migration, dem Thema der Integration. Es trägt den Titel „Karlsruhe: Refugees Welcome“. Gezeigt werden Porträtfotografien von Schüler der drei Schulen sowie von Menschen, die in Flüchtlingsunterkünften in und um Karlsruhe leben. Durch die völlig zufällige Anordnung der Bilder blickt den Betrachter eine breite Masse an Menschen an, Geflüchtete und Schüler bunt gemischt. So soll eines deutlich werden: Bei der Diskussion über Flucht und Migration reicht es nicht aus, mit abstrakten Zahlen und Statistiken zu argumentieren. Blickt man hinter die Statistik, in die Gesichter der Menschen, die zu uns kommen, so wird einem eines klar: Es handelt sich um Menschen mit Ängsten und Zweifeln, mit Hoffnungen und Träumen. Menschen, die sich eine Zukunft für sich und ihre Familien wünschen. Es handelt sich um Menschen, die genau so sind wie wir.

Organisiert und betreut wird das Projekt von zwei Studierenden aus Karlsruhe, Nicolas Lange und Kai Vorberg, die bereits in der Vergangenheit mit INSIDE OUT zusammen gearbeitet haben.

Menschen treffen wollten sie, das, was sie sahen, mit der Kamera festhalten. Daraus wurde ein besonderes Projekt, das für Integration, Toleranz und für eine offene Gesellschaft wirbt.

Badische Neueste Nachrichten

Warum? – Um ein Zeichen zu setzen und für Integration, Toleranz und Solidarität gegenüber Flüchtlingen zu werben.

meinstutensee.de

Michaela Lau

Laudatorin des Ludwig-Marum-Preises 2017Mit Kunst kann man zwar nicht die Welt retten, aber die beiden sind mit ihrem Projekt einen großen Schritt in diese Richtung gegangen

In Pfinztal jedoch zeigte sich, dass es trotz allem immer noch Diskrepanzen in der Wahrnehmung und Einschätzung der Flüchtlingsthematik gibt, und nicht jeder Mensch solch selbstverständliche respektvolle und offene Willkommenskultur zu zeigen scheint. So zerstörten allem Anschein nach Chaoten aus dem rechten Spektrum Teile der Kunstinstallation, die eigentlich „nur“ für die Werte Toleranz, Integration und eine offene Gesellschaft werben wollte. Hierzu der offene Brief der Organisatoren als öffentliche Reaktion: 

Aus gegebenem Anlass

 
Am vergangenen Freitag, dem 07. Oktober 2016, wurde eine Installation des Inside Out Projektes „Karlsruhe: Refugees Welcome“ auf dem Idiotenhügel angebracht. Es handelt sich dabei um eine Kooperation des Ludwig-Marum-Gymnasiums und zweier weiteren Gymnasien in Karlsruhe mit mehreren Flüchtlingsunterkünften im Landkreis sowie der internationalen Trägerorganisation Inside Out.
 
Ziel des Projektes war und ist es, für Integration, Toleranz und eine offene Gesellschaft zu werben. Zu diesem Zweck wurden Porträtfotografien von Schülern und von Geflüchteten bunt gemischt an den Schulen gezeigt.
 
Mit Bedauern mussten wir nun feststellen, dass die Installation am Ludwig-Marum-Gymnasium nur wenige Stunden unbeschadet überstanden hat. Nicht einmal 48 Stunden nach Beendigung der Arbeiten am Freitag Abend wurde die Installation am Mittag des Sonntag, dem 09. Oktober, grob beschädigt aufgefunden. Die mutwillige Absicht des Vandalismus war leider nur zu deutlich zu erkennen. Als Reaktion darauf ist die Polizei eingeschaltet und Anzeige erstattet worden.
 
Wir werten diese Form von Vandalismus, diese mutwillige Zerstörung als Zeichen dafür, mit dem Projekt einen wunden Punkt getroffen zu haben. Und dabei sei die genaue Motivation der Verursacher dahingestellt. Die Personen, gegen deren Unverständnis, deren mangelnde Empathie und deren Intoleranz sich das Projekt im Kern wendet, entlarven sich durch Verhalten wie dieses selbst. Wer einem Zeichen der Toleranz mit Intoleranz begegnet offenbart, wie gering dessen eigener Horizont in Wahrheit ist. Es zeigt, dass es gerade jetzt wichtig ist, in der Gesellschaft Zeichen für einen offenen und respektvollen Umgang miteinander zu setzen.
 
Es zeigt, wie wichtig Toleranz, Integrationsbereitschaft und vor allem Bildung sind. Vor diesem Hintergrund wähnen wir uns in glücklichen Gewissheit, den absolut richtigen Zeitpunkt für unser Projekt gewählt zu haben.Wir bedanken uns bei allen Helfern und Unterstützern und rufen alle Freunde des Projekts dazu auf, weiterhin, auch im Sinne des Projekts, für ihre Vorstellungen von einer offenen, lebendigen und toleranten Gesellschaft einzutreten.
    

Nico Lange und Kai Vorberg

Im Laufe der Zeit entwickelte sich das Projekt zu einem weitaus größeren Unterfangen als nur den Installationen an den teilnehmenden Schulen und weitete sich um diverse Kooperationen und Partnerschaften sowie eine Vielzahl von Veranstaltungen und Kunstausstellungen aus.

Zur Anerkennung wurden die Organisatoren des Projektes im Januar 2017 mit dem Ludwig-Marum-Preis der Ludwig-Marum-Stiftung ausgezeichnet.

von links: Bürgermeisterin Nicola Bodner, Preisträger Nicolas Lange und Kai Vorberg, Andrée Fischer-Marum; Foto: Klaus Müller, Badische Neueste Nachrichten

Der Dank der Organisatoren gilt allen Teilnehmern und Unterstützer des Projekts, besonders den Schülern und Geflüchteten sowie der Flüchtlingshilfe Karlsruhe, ohne die das Projekt nicht möglich gewesen wäre.

Kategorien: AllgemeinBlog

1 Kommentar

Harald Zimmer · Freitag, der 9. März 2018 um 14:42

Ganz tolles Projekt. Habe euch in der lokalen Presse verfolgt. Dementsprechend war ich geschockt, dass Menschen eine so schöne Idee zerstören.
Leute und Projekte wie eure sollte es noch viel häufiger geben.
Viele Grüße,
H. Zimmer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.